Portal Foren-Übersicht Fragen und Tipps rund ums Schreiben Die gesellschaftskritische Komponente im Krimi

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Die gesellschaftskritische Komponente im Krimi

Beitragvon Elke » Mo 8. Mai 2017, 13:30  


Liebe Schreibende,

im Krimi wird immer auch die Moral und das Wertegerüst einer Gesellschaft gespiegelt.
Wovon handelt dein Krimi?

Wie stehst du zu deinem Täter/Täterin?
Handelt sie moralisch-gesellschaftlich zweifelhaft?
Zeige es hier!

Als Diskussionsgrundlage biete ich diesen Film an:
Schau dir diesen Tatort an, der sehr feinnervig die gesellschaftlichen Verhältnisse widerspiegelt:
http://vhs-schreibschule.de/upload/TatortSchock.mp4

Überlege, inwieweit du eine gesellschaftskritische Komponente in dein Werk einbauen magst.
Es sollte zum Thema „Niederlande“ passen.
Was sind deine Ideen?

Herzliche Grüße,
Elke
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Re: Die gesellschaftskritische Komponente im Krimi

Beitragvon Klaus » Mi 10. Mai 2017, 11:43  

In der Tat, der Film spiegelt ein großes Stück der westlichen Leistungsgesellschaft mit ihren Werten. Dazu kommt noch ein kleines Stückchen aus einer anderen Kultur. Da kommt doch die Frage auf, welche menschenverachtender ist. Wer keine Leistung bringt, kommt auf den großen Abfallhaufen oder das Frauenbild anderer Kulturen, das doch gar nicht so weit von unserem ist. Ein sehr guter Krimi, wie ich finde, mit sehr viel Stoff zum Nachdenken.

Ich bin der Ansicht, dass in einem Krimi gesellschaftliche Probleme aufgezeigt werden müssen. Erst dann unterscheidet er sich von den Kurzkrimis a la Jerry Cotton. Denn ich meine, wenn ich auch die Welt nicht verändern kann, habe ich die Hoffnung, vielleicht jemanden zum Denken zu bringen.

HG
Klaus
Kopf hoch, sonst siehst du die Sterne nicht! {#emotions_dlg.flieger}
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Re: Die gesellschaftskritische Komponente im Krimi

Beitragvon Birgit-Fabienne » Mi 10. Mai 2017, 19:41  

Liebe Schreibenden, 
mein Thema ist Umwelt - und Verbraucherschutz und auch Gerechtigkeit. In meinem Krimi hat Marten einen Umweltskandal aufgedeckt und muss dafür sterben. Der Besitzer der Gewächshäuser denkt nur an seinen Profit und sein Ansehen. Er hat ein Motiv. Bei höchstens 20000 Zeichen kann ich nicht noch einen zweiten Verdächtigen einbauen. Wegen der Spannung aber vielleicht eine Geiselnahme.
LG Birgit - Fabienne
Liebe Grüße
Birgit-Fabienne  {#emotions_dlg.snoopy}

Fantasie lande auf dem Papier  und ein Bild im Kopf des Lesers.
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Re: Die gesellschaftskritische Komponente im Krimi

Beitragvon Ulrike » Do 11. Mai 2017, 08:19  

Liebe Mitschreiber(innen),
ich hatte eine ähnliche Idee wie Birgit-Fabienne. Werde das aber wahrscheinlich lassen, weil ich unmöglich in einer Woche eine gescheite Recherche auf die Beine stellen kann. Und das ist für mich das "Kreuz" an der Sache.
Wenn ich an das Thema Schüler und Leistung denke z.B., da habe ich als Lehrer Ahnung und kann etwas dazu sagen, gestern hab ich Abi schreiben lassen, es war so leicht wie nie zuvor. Ein Sowi Kollege sah sogar einen Zusammenhang mit den Landtagswahlen in NRW, da ist eine dienstliche Anweisung, die läßt den leisen Verdacht aufkommen. Es gibt Statistiken, die Abi Noten werden immer besser. Über die Anforderungen im viel gerühmten Bayern würden sich meine Schüler kaputt lachen. Das sind nur so ein paar Dinge.
Die Gefahr bei gesellschaftskritischen Texten sehe ich darin, dass man leicht in Klischees gerät. Deshalb werde ich in meinem Kurzkrimi allenfalls auf des Eltern - Kind Verhältnis eingehen, da habe ich ein bisschen Ahnung.
Für eine gescheite Basis - mein Gedanke war Aquakultur - brauche ich Monate.
Herzliche Grüße Ulrike
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Re: Die gesellschaftskritische Komponente im Krimi

Beitragvon Anna_Noah » Do 11. Mai 2017, 09:56  

Hallo Zusammen,

diesen Tatort kenne ich sogar - allerdings nur aus Diskussionen, gesehen habe ich ihn nicht. Und der wurde sehr heiß diskutiert. ;)

Folgendes, ich werde meine Daniela erst mal ruhen lassen für die Kurzgeschichte und mich stattdessen des Themas Transgender in Holland annehmen, habe nämlich nachgelesen, dass da noch so ein Gesetz irgendwo rumfliegt, dass die sich umoperieren MÜSSEN, wenn sie ein anderes Geschlecht im Ausweis haben wollen. Leider konnte ich bisher nicht herausfinden, ob das mal aufgehoben wurde, aber mit dem Sieg von Loiza Lamers bei dieser allseits beliebten Modelsendung (habe ich auch nie gesehen), dürfte das ja schon mal ein Schritt nach vorn gewesen sein. Natürlich weiß ich nicht, ob die umoperiert ist. Wahrscheinlich nicht.

Liebe Elke, hast du da eine Ahnung, wo ich noch recherchieren könnte?

LG, Anna
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Re: Die gesellschaftskritische Komponente im Krimi

Beitragvon Elke » Do 11. Mai 2017, 12:06  

Ja, damit hatte ich nicht gerechnet: Natürlich denkt jetzt jede/r an die gesellschaftliche Komponente in seinem/ihrem Krimi.
Das bringt auch viel Arbeit mit sich.
Wir müssen uns an dieser Stelle aufteilen in eine Gruppe, die an der Kurzgeschichte schreibt und in all diejenigen, die am längeren Werk operieren.
Betreibt für die Kurzgeschichte nicht zu viel Rechercheaufwand, aber haltet euch auch nicht an das Offensichtliche.
Ich würde mir ein klitzefitzekleines Detail ausdenken, um das die Geschichte dann rankt.
Also bitte nicht das ganz große Fass zum Überlaufen bringen.
Es kann auch sein, dass ihr eichhörnchenhaft so viel Material gesammelt habt, dass es gar nicht mehr in den 20000er Zeichenrahmen passt. Auch hier ist weniger mehr: bitte ausschlanken!
Ich möchte gar nicht so viele Großprojekteromanschreiber hier sehen. Nicht etwa, weil ich die Klasse im Zwischensemester möglichst schlank halten möchte (ich freue mich über jede/jeden, die mitmacht), ich sehe die Gefahr darin, dass eine innere Stimme euch zugeflüstert hat: Nun schreib doch endlich mal was Großes, was Längeres.
Daran ist nichts verkehrt, außer womöglich der Umstand, dass das längere Werk eine sehr große Disziplin erfordert. Hier gilt es dann, sich wirklich jeden Tag, ein, zwei Stunden dran zu setzen, denn das Leben ist kurz: sprich, der Roman viel Arbeit, und sprich auch: nur ein fertiger Roman ist ein gültiger Roman. Man muss also schon sehr schwanger mit der Idee gehen, womöglich über Jahre!
Hanns-Josef Ortheil spricht in seinem Werk "Wie Romane entstehen" von einem "Faszinosum", einer poetischen Vision, die den Schreibenden beflügelt, mehr als 50.000 Wörter zu Papier zu bringen, eben "den" Roman zu schreiben.
Prüfe also noch einmal, ob dein Faszinosum groß genug ist für diesen großen Wurf, oder ob du lieber noch eine Weile schwanger gehst.
Auch mit Kurzgeschichten kann man Bände füllen. Es soll einige geben, die jetzt lange in der Schreibschule sind und all ihre Kurzgeschichten bündeln und (selbst) verlegen. So hat man auch etwas Großes und auch etwas zu Verschenken und für den Schaffensstolz am Ende.
Sorry, dass ich hier so hinein grätsche, es ist leider auch ein bisschen off topic.
Dennoch herzliche Grüße!
Elke

P. S. an Anna: piep doch mal Herman per PM an -- mit schönen Grüßen von mir, und frage ihn, ob er dir bei der Recherche "in nederlands" (denn er ist Niederländer) zur Hand geht.
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Re: Die gesellschaftskritische Komponente im Krimi

Beitragvon Sacajawea » Mo 15. Mai 2017, 11:23  

Hallöchen liebe Mitschreibenden und liebe Elke,

Frage ist: was ist alles gesellschaftskritisch? Politische Gesetze, Umwelt, Transgender, Atomkraft, Schulsystem, und und...ich denke da gibt es genug Beispiele. Da mir viele Dinge viel zu groß sind und die Recherche-Zeit deutlich zu kurz, werde ich mich ganz simpel einem winzigen Thema widmen - der psychologischen Verbundenheit von Familienangehörigen untereinander, die sicherlich auch geprägt ist durch das entsprechende Zeitgefühl, in der Laura und Rosina aufwachsen mit Hinblick auf den Alleinerziehenden - Status der Mutter, sowie der spirituell veranlagten Oma. Ich denke das ist gesellschaftskritisch genug, da zurückblickend gesehen, Alleinerziehende mit Kindern leider immer noch bei Amt, Staat, Gesetzen sowie kulturell einen untergeordneten Stand haben. Das ist Herausforderung genug für mich, zumal der Tatort in Amsterdam liegt. {#emotions_dlg.feder}
Liebe Elke, ich hoffe, dass ist winzig genug? :)
Liebste Grüße
Sacajawea

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Re: Die gesellschaftskritische Komponente im Krimi

Beitragvon Elke » Mo 15. Mai 2017, 12:40  

Hallo Sacajawea,

ja, das reicht sicher.
Oder anders gesagt, man merkt hinterher erst, im Nachhall, ob eine gesellschaftliche Komponente zum Nachdenken über die hiesigen (problembelasteten) Verhältnisse geführt hat.
Da es ja im Krimi gerne um "Mord und Totschlag" geht, stellt sich die Frage nach dem "Warum"?
Oder -- um es mit einem Zitat von Brecht zu untermalen:


Der reißende Fluß
wird gewalttätig genannt.
Aber das Flußbett,
das ihn einengt,
nennt keiner gewalttätig.


Herzliche Grüße,
Elke
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Re: Die gesellschaftskritische Komponente im Krimi

Beitragvon Jo Francis » Mo 15. Mai 2017, 16:59  

Eine Familie vertuscht über Jahrzehnte einen tödlichen Familienvorfall,um nach außen hin den schönen Schein zu wahren und dem Kind die Zukunft nicht zu verbauen. Mit dem Fund der Leiche holt die Wahrheit sie alle ein.
Reicht das als Gesellschaftskritik?
Lieben Gruß, Jo
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Re: Die gesellschaftskritische Komponente im Krimi

Beitragvon Elke » Mo 15. Mai 2017, 19:08  

Ja, klar.
Für die Kurzgeschichte allemal, in einem längeren Werk wäre der Plot vllt. etwas dünn.
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Re: Die gesellschaftskritische Komponente im Krimi

Beitragvon Herman » Mi 17. Mai 2017, 16:48  

Anna,

Nein, in den Niederlanden ist keine Operation erforderlich um das Geschlecht im Pass zu änderen. Seit mitte 2014 gilt folgendes: derjenige, der die Änderung im Pass haben wil, muss ein Erklärung eines Sachverständigen vorweisen können, nicht älter als sechs Monate. Nur bestimmte Ärtzte, Psychologen und Psychiater können eine solche Erklärung abgeben. In deinem Fall, ich habe gelesen, dass deine Geschichte In Rotterdam spielt, wäre das 'Kennis- en Zorgcentrum voor Genderdystrofie' der VUMC (Akademisches Krankenhaus Universität Amsterdam) vielleicht am besten geeignet, einfach da es nicht so weit von Rotterdam entfernt ist. Die Erklärung bezieht sich darauf, dass sich der Transgender der Folgen bewusst ist und das es eine tatsächliche Gegebenheit ist, also nicht aus irgendwelche Laune heraus.
Mit diese Erklärung kann man dann zur Gemeinde gehen und die Änderung beantragen. Man kann dann auch zur gleichen Zeit den Vornamen ändern, was ja auch Sinn macht. Nach der Festlegung bei der Gemeinde kann man dann den neuen Pass oder die neue Identitätskarte beantragen, auch bei der Gemeinde.
Ist das alles geregelt, muss selber weitere Instanzen benachrichtigen, denke zum Beispiel an Versicherung, Steueramt und so weiter

Hilft dir das weiter?

Herman
Zuletzt geändert von Herman am Mi 17. Mai 2017, 18:34, insgesamt 1-mal geändert.
Warum einfach wenn es auch kompliziert geht?
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Re: Die gesellschaftskritische Komponente im Krimi

Beitragvon Anna_Noah » Mi 17. Mai 2017, 17:58  

Lieber Herman,

ja, das hilft sehr. Vielen Dank!
Ich melde mich auch noch per Mail bei dir, aber ich hatte ein paar anstrengende Tage.
Ab morgen wieder mehr Luft für's Schreibhobby :)

Viele Grüße!
Anna
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