Portal Foren-Übersicht Fragen und Tipps rund ums Schreiben Fragen, Fragen, Fragen

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Fragen, Fragen, Fragen

Beitragvon Elke » Mi 14. Apr 2021, 14:33  

Frage 1: Kann die Schriftsteller*in sich tatsächlich in andere Menschen eindenken und darüber schreiben oder schreibt sie nur über sich selber?

Frage 2: Wie können sich Menschen verständigen, wenn sie sich nie wirklich und bei aller Mühe verstehen können?

Frage 3: Wenn man als Autor*in zeit-historische Ereignisse variiert oder verfremdet - wie viel muss man erklären, um so viel Leser*innen wie möglich mitzunehmen, zu fesseln...?

Das können wir gerne diskutieren. Wer will, kann auch nur eine Frage beantworten.
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Re: Fragen, Fragen, Fragen

Beitragvon Urs » Mi 14. Apr 2021, 14:50  


Fragen, Fragen, Fragen



von Elke» Mi 14. Apr 2021, 14:33  
Frage 1: Kann die Schriftsteller*in sich tatsächlich in andere Menschen eindenken und darüber schreiben oder schreibt sie nur über sich selber?

 Ich kann nicht nur, nein muss mich sogar in meinen Prota eindenken. Ansonsten wäre ich nicht fruchtbar genug, also gewissermaßen steril. Als Icherzähler muss ich auch nicht nur beobachtend tätig bleiben, nein, die Beweggründe des Gegenüber sehr gefasst auch für mich in Anspruch nehmen. (Gilt vermutlich nicht nur für mich, so hoffe ich!)



Frage 2: Wie können sich Menschen verständigen, wenn sie sich nie wirklich und bei aller Mühe verstehen können?



Na ja, neben Boxen gilt es ja auch noch Streichel-Einheiten zu verteilen, oder?



Frage 3: Wenn man als Autor*in zeit-historische Ereignisse variiert oder verfremdet - wie viel muss man erklären, um so viel Leser*innen wie möglich mitzunehmen, zu fesseln...?



Nach der Devise, nicht quatschen einfach machen, britisch, show don't tell, sollten sich die Infos aus der Handlung erklären. Wenn es natürlich darum geht, dass es sich bei dem Prota um den Grafen Soundso oder den Scharfrichter Müller handelt, würde der Name des Grafen einiges erklären was bei Müller eher Beiwerk sein dürfte! So, die Meinige, Erfahrung denke ich!



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Re: Fragen, Fragen, Fragen

Beitragvon Urs » Mi 14. Apr 2021, 14:54  

Seltsam! Zeichensalat? Ich versuchs nochmal!
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Re: Fragen, Fragen, Fragen

Beitragvon Urs » Mi 14. Apr 2021, 14:55  



Frage 1: Kann die Schriftsteller*in sich tatsächlich in andere Menschen eindenken und darüber schreiben oder schreibt sie nur über sich selber?

 Ich kann nicht nur, nein muss mich sogar in meinen Prota eindenken. Ansonsten wäre ich nicht fruchtbar genug, also gewissermaßen steril. Als Icherzähler muss ich auch nicht nur beobachtend tätig bleiben, nein, die Beweggründe des Gegenüber sehr gefasst auch für mich in Anspruch nehmen. (Gilt vermutlich nicht nur für mich, so hoffe ich!)



Frage 2: Wie können sich Menschen verständigen, wenn sie sich nie wirklich und bei aller Mühe verstehen können?



Na ja, neben Boxen gilt es ja auch noch Streichel-Einheiten zu verteilen, oder?



Frage 3: Wenn man als Autor*in zeit-historische Ereignisse variiert oder verfremdet - wie viel muss man erklären, um so viel Leser*innen wie möglich mitzunehmen, zu fesseln...?



Nach der Devise, nicht quatschen einfach machen, britisch, show don't tell, sollten sich die Infos aus der Handlung erklären. Wenn es natürlich darum geht, dass es sich bei dem Prota um den Grafen Soundso oder den Scharfrichter Müller handelt, würde der Name des Grafen einiges erklären was bei Müller eher Beiwerk sein dürfte! So, die Meinige, Erfahrung denke ich!



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Re: Fragen, Fragen, Fragen

Beitragvon Sebastian » Mi 14. Apr 2021, 15:16  

Hier mein Senf dazu:

Elke hat geschrieben:
Frage 1: Kann die Schriftsteller*in sich tatsächlich in andere Menschen eindenken und darüber schreiben oder schreibt sie nur über sich selber?


Das läuft auf die Frage hinaus, ob man (egal ob Schriftsteller oder nicht) überhaupt echt mit einem anderen Menschen mitfühlen, mitleiden und sich mit-freuen kann, weil man ihn wirklich (mindestens in der Situation) versteht. 
Meine Meinung dazu: ja, kann man. Aber nicht immer. Je ferner die Lebenssituation des anderen dem eigenen Erfahrungshorizont ist, desto schwieriger wird es und manches entzieht sich wohl ganz. Ob ein Mann z.B. jemals echt begreifen kann, wie es ist ein Kind auf die Welt zu bringen? Die irre Leistung guter Schauspieler liegt ja wahrscheinlich gerade daran, dass sie sich sogar in Menschen hineinversetzten können, die sich nicht mal mögen würden, wie einen irren Killer oder sonst was fieses.

Aber wenn wir die Fähigkeit zum hinein-versetzten gar nicht hätten, dann gäbe es keine sinnvollen Verhandlungen zwischen Menschen, keine echte Freundschaft, keine echte Gemeinschaft und vieles mehr nicht. Vielleicht muss man wenn man schreibt, es nur eben viel dauerhafter machen, als im normalen Leben. Hoffentlich trainiert also das Schreiben fürs Leben. 

Nebenbei: nicht nur der Autor, auch der Leser muss sich in den Protagonisten eindenken, sonst hat er wenig vom dem, das er liest.



Elke hat geschrieben:
Frage 2: Wie können sich Menschen verständigen, wenn sie sich nie wirklich und bei aller Mühe verstehen können?



Die Frage setzt voraus, dass die Antwort auf Frage 1 "nein" lautet. Daher hier eigentlich "N/A". Aber weil ich meine Klappe (bzw. die Tastatur) nicht halten kann: "verständigen" läuft auf so vielen Ebenen und Kanälen. Davon ist der "hineindenken" Kanal wohl wirklich einer der seltener genutzten, sonst gäbe es nicht so viele Missverständnisse und so viel Streit. Oberflächlich kann man sich ja ohne weiteres auch ohne hineindenken verständigen. Wenn ich z.B. frage "Was kostet  die Butter" und jemand sagt "Einsachzig". Dann haben wir uns ja auch verständigt... Wenn ich aber sage "Der Müll muss auch schon wieder raus." und die Antwort bekomme "Wieso wirfst Du mir immer vor, den Müll nicht rauszubringen??!" Dann war das eben keine Verständigung.
Daran, dass man z.B. aber auch Körpersprache interpretiert (bewusst und unbewusst) sieht man schon, dass sich sehr wohl in andere hineinversetzt (auch das bewusst und unbewusst). 
Übrigens verständigen sich ja auch Tiere problemlos. 

Elke hat geschrieben:
Frage 3:
Wenn man als Autor*in zeit-historische Ereignisse variiert oder verfremdet - wie viel muss man erklären, um so viel Leser*innen wie möglich mitzunehmen, zu fesseln...?


Das ist echt schwer. Eine Frage, die mich wirklich umtreibt. Selbstbeobachtung sagt mir, dass ich viel zu sehr zum Erklären neige. Dabei ist es ziemlich egal, ob man historisch treu oder verfremdet schreibt, denn auch bei histrorisch korrekter Wiedergabe sind dem Leser die Altassyrischen Machtverhältnisse in unter-Mesopotamien in der zweiten Hälft des 3. Jahrtausend v. Chr. ja ggf. nicht mehr 100% präsent. 
Mein Kompromiss wäre: dem Buch einen kleinen Prolog voranstellen, der in das Thema und die zeit einführt (nicht wie ein Schulbuch, sondern auch schon wie im Roman, nur eben der Prolog aus der "allwissenden" Perspektive und dann taucht man in Kapitel 1 eben in den personalen oder Ich-Erzähler ab, der schon deswegen nicht groß was erklären kann, weil er selber den Überblick nicht hat.


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Re: Fragen, Fragen, Fragen

Beitragvon Heinrich Maiworm » Mi 14. Apr 2021, 20:06  

Viele Leser (Zuschauer) trennen nicht zwischen realer und fiktiver Welt. Für sie ist Mutter Beimer Mutter Beimer, in der Schwarzwaldklinik wird eine Stelle frei, Dirk Steffens steckt seinen Kopf aus dem Windloch in ihr Wohnzimmer. Und selbstverständlich können sie sich in Harry Potter und Lord Voldemort hineinversetzen, schliesslich verspüren sie ja auch übernatürliche Kräfte in sich. Wer für ein solches Publikum schreibt, ist gut beraten, dessen Bedürfnisse zu bedienen.

Eins dieser Bedürfnisse ist, aus einem widersprüchlichen Gefühl ein eindeutiges zu machen. Das nimmt ihm seine Bedrohlichkeit. Ob der Tod ihres Vaters bei meiner Frau das gleiche Gefühl auslöst, wie der Tod meines bei mir, ist eine andere Frage. Der Ödipuskonflikt mag bei ihr ganz anders gelagert sein, die Erinnerungen an den frühen Tod ihres ersten Mannes und ihrer beiden Geschwister spielen herein, in diesem Moment so, im nächsten anders. Selbst eigene Gefühle zu beschreiben ist ein anspruchsvolles Unterfangen, die anderer unmöglich. Ob Leser (Zuschauer) ihre eigene Welt auf das Gelesene (Gesehene) projizieren  oder sich einer anderen Welt annähern wollen, macht einen Unterschied. 

Mir fällt es nicht schwer, mich in andere Menschen zu versetzen, auch wenn ich mir nicht einbilde, sie genau zu verstehen. Die Vorstellung, alle zu verstehen und von allen verstanden zu werden, ist für mich ein Horror.

Mit dem Schreiben ist es, glaube ich, wie mit dem Geld verdienen: Wer möglichst viele Leser erreichen will, erreicht weit weniger als einer, der gerne schreibt. Parteien müssen sich überlegen, ob sie Volksparteien (catch-all) oder Klientelpartei sein möchten, mir stellt sich diese Frage nicht.
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Re: Fragen, Fragen, Fragen

Beitragvon Urs » Mi 14. Apr 2021, 21:34  

Autor ist immer sehr gut beraten, sich um seine Leser zu kümmern! Also, wie Heinrich schreibt, sein Publikum!

Nur, was macht Einen zum Autor, der zunächst ersteinmal die Erkrankung seiner Ehefrau mit andauernder Bettlägerigkeit und Volldienst über 24 Stunden und das 7 Tage die Woche, zu "verarbeiten" sucht? Ja, verarbeiten so muss das genannt werden und das schon seit mehr als 20Jahren! Kaum anzunehmen, dass es irgendwen interessieren dürfte, wenn nicht dieses Siechtum in mehr oder weniger Humorigkeit, oder wie ich es gemacht habe, in dramatischer Anwandlung bei meiner Prinzessin Liliane, herbeikommt! Nein, nicht das Gefallen Anderer ist oft der Anspruch eines Erzählers.

Bei mir kam dann noch der Wille hinzu, mich wirklich endlich mal vernünftig auszudrücken. (Das Letzte ist natürlich eine Lüge, wie man hier ja schließlich genauestens weiß, wissen sollte!)


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Re: Fragen, Fragen, Fragen

Beitragvon Claudia » Do 15. Apr 2021, 10:33  


Frage 1: Kann die Schriftsteller*in sich tatsächlich in andere Menschen eindenken und darüber schreiben oder schreibt sie nur über sich selber?
 
 
Kommt vielleicht auf die soziale Intelligenz, Empathie, Menschenkenntnis und Beobachtungsgabe des Autors an. Inwieweit ist er/sie bereit, sich in die Denkweise/Gefühlswelt anderer einzulassen und zu verarbeiten/darzustellen 
 
 
Frage 2: Wie können sich Menschen verständigen, wenn sie sich nie wirklich und bei aller Mühe verstehen können?

Kommt wohl auf das Thema an. Um allgemein etwas in den Raum zu stellen:  Kompromisse schließen, sich gegenseitig stehen lassen. Diplomatie. Respektvoller Umgang, trotz Unverständnis ist m.E.  hilfreich.
Körpersprache wird je nach Kultur/Land nicht unbedingt gleich gedeutet. Z.B. Blickkontakt 
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Re: Fragen, Fragen, Fragen

Beitragvon frabrauns60 » Do 15. Apr 2021, 13:37  

Frage 1: Wenn ich eine Prota entwerfe/erfinde, denke ich mich schon in sie/ihn ein. Ich erstelle zumindest für die Situation, die ich aktuell beschreibe, im Kopf ein Vorher, vielleicht auch ein Danach. Gleichzeitig fließen meine Erfahrungen, Sichtweisen, Gedanken, Wünsche (erfüllte und unerfüllte) ein. Mich hat mal sehr zum Nachdenken gebracht, was die DDR-Autorin Christa Wolf gesagt hat "Nur, wer gelebt hat, kann schreiben." Was für mich so viel heißt wie: Die Summe meines Lebens, meiner Erfahrungen fließt ein. Oft erkenne ich in Settings Orte aus meiner Vergangenheit wieder oder ich orientiere mich absichtlich an Orten, an denen ich schon war. Dann stelle ich meine Protags da hinein und gucke, ob und wie sie sich darin weiterentwickeln. Was am Ende bedeutet, dass ich beides tue: ich betrachte meine Prota von außen und horche in sie hinein.
In wie weit ich mich in einen realen Menschen hineindenken kann, hängt von meiner Beziehung zu ihr/ihm an.

Frage 2: Für mich bedeutet Verständigung u.a., dass man sich für Dinge auf Begriffe einigt, die dann alle benutzen.
Wenn es um die Situation Müll raufsbringen geht, spielen Beziehung und persönliche Befindlickeit und Erfahrungen eine Rolle, meiner Meinung nach. Die eine meint "Bring bitte jetzt und heute den Müll raus." formuliert aber "Der Müll muss auch schon wieder raus." Der andere hört aber weder das eine oder andere, sondern den Vorwurf "Nie bringst du den Müll raus..." Meine Mutter sagte immer "Du darfst jetzt den Müll rausbringen." Gehört habe ich immer die Aufforderung. "Bring den Müll raus!" Bis heute rätsele ich, was sie gemacht hätte bei einer Antwort wie "Nein, ich möchte jetzt nicht dürfen."

Frage 3: Show not tell - ja, da stimme ich zu. Aber auch, wenn ich zeige und nicht erkläre, bleibt meine Frage, wie viel kann ich voraussetzen oder denke ich "Meine Leser*innen sind dumm, aber ich liebe sie trotzdem" und deshalb verpacke ich so viel Erklärungen á la Karl May oder Dan Brown in lexikalisch angehauchte Absätze?

(Frauke)
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Re: Fragen, Fragen, Fragen

Beitragvon Heinrich Maiworm » Do 15. Apr 2021, 16:51  

frabrauns60 hat geschrieben: Oft erkenne ich in Settings Orte aus meiner Vergangenheit wieder oder ich orientiere mich absichtlich an Orten, an denen ich schon war. Dann stelle ich meine Protags da hinein und gucke, ob und wie sie sich darin weiterentwickeln.

Gute Idee: Meine nächste Geschichte verlege ich in den literarischen Salon von Christa Wolf.

In wie weit ich mich in einen realen Menschen hineindenken kann, hängt von meiner Beziehung zu ihr/ihm an.

Viele Mütter würden vermutlich sagen, besonders gut könnten sie sich in ihre Kinder hineindenken. Dabei arbeitet das Gehirn eines Kindes anders als das eines Erwachsenen und ändert sich auch noch mit hohem Tempo.

Für mich bedeutet Verständigung u.a., dass man sich für Dinge auf Begriffe einigt, die dann alle benutzen.

Bei "Hammer" kann man sich darauf einigen, ob in der Vorstellung ein Vorschlag- oder Dachdeckerhammer repräsentiert wird (obwohl aneinander vorbei zu reden ein Gespräch sehr erleichtert). Wie aber ist es mit einem Begriff wie "Treue"? Gut, das ist kein Ding, aber können mehrere Menschen darunter das Gleiche verstehen, mit allen Facetten?


... denke ich "Meine Leser*innen sind dumm, aber ich liebe sie trotzdem" 

Eine wunderbare Persiflage dieses Zitats! Darf ich es um ein anderes ergänzen? Wenn Literatur Flaschenpost für für unbekannte Finder in einer unbekannten Zukunft ist, wie kann ich dann meine Leser lieben?
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Re: Fragen, Fragen, Fragen

Beitragvon frabrauns60 » Fr 16. Apr 2021, 12:09  

Eine wunderbare Persiflage dieses Zitats! Darf ich es um ein anderes ergänzen? Wenn Literatur Flaschenpost für für unbekannte Finder in einer unbekannten Zukunft ist, wie kann ich dann meine Leser lieben?


Hm, gute Frage. Wenn es so was wie vorbehaltlose Liebe (z.B. von Eltern gegenüber ihren Kindern) gibt, dann vielleicht.
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Re: Fragen, Fragen, Fragen

Beitragvon Andrea » Sa 17. Apr 2021, 01:29  

zu 1
Ich kann mir immer nur vorstellen, was in anderen Menschen vorgeht. Selbst wenn ich ein zufällig mitgehörtes Gespräch in der Bahn beschreibe, ist das meine Wahrnehmung, meine Interpretation ihrer Worte und Gesten. Ein anderer Zuhörer schräg gegenüber kann einen ganz anderen Eindruck von dieser Situation haben. 
Ähnlich geht es mir beim Schreiben. Meine Figuren haben alle etwas von mir, meinen eigenen Erfahrungen und Werten, ob sie diese nun teilen oder ob sie sie sabotieren. Die Figuren können mir ähnlich sein oder komplett gegensätzlich (was ja auch wieder etwas mit mir zu tun hat). Oder sie haben Eigenschaften, die ich gerne hätte aber nicht habe (auch wieder mein Ding). Oder es sind Menschen, die mir begegnet sind, aber auch die betrachte ich durch meine eigene Brille.
Nicht "über sich selbst zu schreiben" ist ein hehres Ziel, aber ich halte es für ein Illusion.


zu 2
Verständigung setzt immer Bereitschaft auf beiden Seiten voraus. Einen Menschen, der mir nicht zuhören will, kann ich nicht erreichen. Aber wenn eine gegenseitige Bereitschaft da ist, wenn sich beide "Mühe geben", kann eine Verständigung stattfinden. Für Verständigung reicht Toleranz, das bloße Ertragen einer anderen Position, aus. Es ist nicht notwendig, den anderen völlig zu verstehen, es reicht, wenn ich seine Position als
gleichberechtigt anerkenne und mich auf einen Kompromiss verständigen kann.



zu 3
Ich finde, die Frage müsste eher lauten: Wieviel darf ich erklären, um meine Leser noch zu fesseln?
Wenn ich eine zeitgeschichtliche Szene variieren oder verfremden will, würde ich den Lesern erst kurz den Grund für die Änderung  zeigen (Eine Katastrophe? Ein historisches Ereignis, das anders verlaufen ist und die Geschichte auf ein anderes Gleis gesetzt hat?)
Alternativ kann man den Lesern auch erst die Variante präsentieren und sie dann mit den Protagonisten auf die Suche nach dem Grund schicken.
Mehr halte ich da gar nicht für notwendig. Viel Spannung ergibt sich schon aus dem Unterschied der Variante.
Andrea
 
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